"Die Grundidee heißt: Kirche lebt vor Ort“

Seit zwei Jahren läuft der Prozess „Erzbistum mitgestalten“, der im September zur Bildung von 35 Seelsorgebereichen führt. Wir fragten Alexander Schmitt von der Stabsstelle Diözesane Entwicklung und Bernhard Saffer, Referent für Gemeindeentwicklung, nach dem Stand der Dinge.

Der Bistumsprozess geht in eine entscheidende Phase. Was passiert am 1. September?

Schmitt: Mit seinem Hirtenbrief im September 2017 hat unser Erzbischof Ludwig Schick offiziell den Prozess der Neuausrichtung gestartet. In der ersten Periode ging es darum, Territorien zu bilden, in denen mit dem zur Verfügung stehenden Personalstand auch zukünftig Seelsorge verlässlich verantwortet werden kann. An diesem Findungsprozess haben zahlreiche Ehrenamtliche und Gremienmitglieder in unseren Pfarreien mitgewirkt und ihre Ideen eingebracht. Mit der formellen Errichtung der neuen Seelsorgebereiche zum 1. September kann der erste große Teil des Bistumsprozesses, der Teil der Strukturfragen, nun weitgehend beendet und der Fokus auf die pastorale Neuausrichtung gelegt werden.

Was bedeutet das für die Seelsorge?

Saffer: Es wird – und es soll – auch in der Seelsorge Veränderungen geben! Es geht ja um eine Neuausrichtung der Pastoral. Die Herausforderung ist, mit weniger hauptamtlichem Personal in größeren pastoralen Räumen neue Ideen und Konzepte für die Seelsorge zu entwickeln. Die neuen Seelsorgebereiche sind also nur der Anfang, die strukturelle Grundlage für die Gestaltung einer neuen Pastoral. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind künftig für größere pastorale Räume zuständig und müssen als Team zusammenfinden. Sie können und sollen in Zukunft nicht mehr alles selber machen, sondern die Gemeinden, die Engagierten vor Ort stärker begleiten, unterstützen und auch Verantwortung an sie abgeben.

Es wird – und es soll – auch in der Seelsorge Veränderungen geben!

Bernhard Saffer

Bedeuten größere Seelsorgebereiche nicht auch mehr Verwaltungsaufwand?

Schmitt: Die Mitarbeitenden der Pastoral sollen zukünftig in einem höheren Maß von Verwaltungstätigkeiten entlastet werden. Zum einen soll die Pfarrverwaltung so organisiert werden, dass die Gläubigen auch zukünftig eine umfassende und verlässliche Anlaufstelle für ihre Anliegen haben und dem pastoralen Personal und der Verwaltungsleitung kompetent mit hoher Erreichbarkeit zugearbeitet werden kann. Zum anderen werden in den Seelsorgebereichen in den nächsten drei Jahren sukzessive Verwaltungsleiterinnen und -leiter eingeführt, die zusammen mit den Pfarrern und ehrenamtlichen Entscheidungsträgerinnen und -trägern in wirtschaftlichen, baulichen und organisatorischen Belangen Verantwortung übernehmen und das Seelsorge-Personal entlasten.

Die Mitarbeitenden der Pastoral sollen zukünftig in einem höheren Maß von Verwaltungstätigkeiten entlastet werden.

Alexander Schmitt

Was hat es mit dem neuen Pastoralkonzept auf sich, das bis 2022 entstehen soll?

Saffer: Die Grundidee dafür heißt: Kirche lebt vor Ort. Es geht dabei zum einen um die Stärkung von Glaube und Kirche vor Ort, zum anderen um eine missionarische Pastoral und die Suche nach neuen Formen von Kirche. Die ehrenamtlich Engagierten sollen sich in den kommenden Jahren bis 2022 zusammen mit den Hauptamtlichen Gedanken machen, wie sie Pastoral in ihrem Seelsorgebereich in Zukunft gemeinsam gestalten wollen, wie es gelingen kann, lebendige Kirche in den Gemeinden und im größeren pastoralen Raum zu sein und zu bleiben. Es ist unübersehbar, dass die Kirche für die Menschen zunehmend Bedeutung verliert. Deshalb ist die eigentliche Herausforderung, als Kirche auf allen Ebenen bis hin zu den Gemeinden, neue Antworten zu finden auf die Frage: Wozu dient Kirche? Was ist unser Auftrag als Kirche hier vor Ort? Kirche gewinnt Zukunft in dem Maße, wie sie ihrem Auftrag gerecht wird: Zeichen und Werkzeug der Liebe Gottes zu den Menschen zu sein.

An wen kann man sich wenden, wenn man Fragen zu den Veränderungen hat oder sich engagieren möchte?

Schmitt: Mit der Errichtung der Seelsorgebereiche zum September 2019 wird es in jedem Seelsorgebereich einen neuen Leitenden Pfarrer geben. Er ist verantwortlich für die Entwicklung des Pastoralkonzeptes und somit der erste Ansprechpartner. Auf Bistumsebene leitet Domkapitular Hans Schieber eine Steuerungsgruppe, an die man sich mit Fragen und Kritik jederzeit wenden kann. E-Mail: pastorales.personal@erzbistum-bamberg.de 

Von Hendrik Steffens

Die 35 Seelsorgebereiche

1. Ansbach
2. Neustadt/Aisch
3. Steigerwald
4. Höchstadt
5. Bamberg Land Süd-West 1
6. Bamberg Land Süd-West 2
7. Bamberg Stadt 1
8. Bamberg Stadt 2
9. Gottesgarten
10. Lichtenfels
11. Lichtenfels Ost
12. Kulmbach
13. Coburg
14. Kronach
15. Frankenwald
16. Hochfranken
17. Bayreuth
18. Bayreuth Land

19. Fränkische Schweiz
20. Auerbach
21. Nürnberger Land
22. Nürnberg Nord-Ost
23. Nürnberg Nord-West
24. Nürnberg Süd
25. Fürth Stadt
26. Fürther Land
27. Erlangen 1
28. Erlangen 2
29. Erlangen 3
30. Main-Itz
31. Gügel
32. Hirschaid
33. Buttenheim-Heiligenstadt-Eggolsheim
34. Forchheim
35. Neunkirchen am Brand

Bei Redaktionsschluss standen die endgültigen Namen der Seelsorgebereiche noch nicht fest. Informationen unter www.erzbistum-mitgestalten.de.