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Handreichung:Hand in Hand gemeinsam wachsen

In vier Jahren sind Pfarrgemeinderäte aus ehemals zwei Hofer Pfarreien zu einem verbindenden Gremium gewachsen. Indem sie sich die Hände gereicht haben, statt die kalte Schulter zu zeigen.
Datum:
Veröffentlicht: 1.6.18
Von:
Hendrik Steffens

Die Frage nach ihrer Motivation, sich als Pfarrgemeinderätin zu engagieren, kommt für Katharina Fichtner überraschend. „Naja, ohne ehrenamtliches Engagement könnte keine Kirchengemeinde lebendig sein.“ Wer auf ein facettenreiches Leben in der Pfarrei hoffe, solle nicht erwarten, dass andere es möglich machten, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der Pfarrei Bernhard Lichtenberg in Hof. Markus Reinisch nickt zustimmend. Jetzt, da strukturelle Reformen für sämtliche Pfarreien im Erzbistum Bamberg umgesetzt werden, gelte mehr denn je: „Nicht denken, dass andere für das eintreten sollen, was man selbst gern hätte, sondern aktiv werden“, sagt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. In den letzten vier Jahren haben Fichtner und Reinisch sowie der Pfarrgemeinderat und viele Hofer Haupt- und Ehrenamtliche vorgelebt, wie ein Zusammenschluss zweier Pfarreien gut ablaufen kann. Aus Sankt Marien und Sankt Konrad wurde die Pfarrei Bernhard Lichtenberg.

Dem Hofer Zusammenschluss werden weitere folgen. Das Erzbistum Bamberg befindet sich im Prozess der Umstrukturierung von Seelsorgebereichen und des Verschiebens der Grenzen selbiger. Unter dem Motto „Erzbistum mitgestalten!“ soll bis 2022 eine Antwort gefunden werden, wie mit weniger pastoralem Personal langfristig das kirchliche Leben vor Ort erhalten werden kann. In Hof fand im Juli 2017 die Fusion der Pfarreien Sankt Marien und Sankt Konrad ihren Abschluss. Schon vier Jahre länger haben die ehemals eigenständigen Pfarreien einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat. Und in vielen Bereichen arbeiten die ehemals getrennten Pfarreien eng zusammen: Sei es beim Pfarrfest, an Fronleichnam oder bei der gemeinsamen Kommunion- und Firmungsvorbereitung.
 

Eingefahrene Strukturen und Traditionen, die vielen Gläubigen vielleicht gar nicht mehr zeitgemäß vorkommen, können aufgebrochen und in neuen Konstellationen neu gedacht werden“

-Markus Reinisch, Pfarrgemeinderatsvorsitzender

Vorsitzender Markus Reinisch, ehemals St. Marien, und seine Stellvertreterin Katharina Fichtner, ehemals St. Konrad, können mit ihren Erfahrungen den Christen in anderen Pfarreien Mut machen: „Eingefahrene Strukturen und Traditionen, die vielen Gläubigen vielleicht gar nicht mehr zeitgemäß vorkommen, können aufgebrochen und in neuen Konstellationen neu gedacht werden“, sagt Reinisch. Dialog sei entscheidend. Schwierig sei das einzig für jene, die kompromisslos auf eingefahrenen Traditionen und Strukturen beharren. Nicht jeder habe etwa gutgeheißen, dass das alte Pfarrgemeindehaus in der Hofer Bachstraße unweit der Marienkirche – mit schlechter Parksituation – 2017 für einen gut erreichbaren Neubau – mit genügend Parkmöglichkeiten – in Sankt Konrad aufgegeben und verkauft worden ist. „Aber wir haben an anderer Stelle ein ebenfalls schönes und dazu noch funktionaleres und klimatechnisch effizienteres Gebäude bekommen“, sagt Reinisch. Das sei nicht nur praktisch, sondern auch gut für die Schöpfung. Und die zentrale Lage des Pfarrzentrums Bernhard Lichtenberg habe zur Folge, dass mehr Gläubige als zuvor die Angebote im Haus besuchten.

Die Hauptamtlichen müssen bei der Verteilung von Aufgaben an Ehrenamtliche sensibel sein. Wertschätzung ist wichtig, und es muss die richtige Dosis gefunden werden“

-Katharina Fichtner, Stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende

Obwohl die Fusion in Hof funktioniert hat, weist Fichtner auf Spannungspotenziale des Strukturprozesses hin, die man nicht vergessen dürfe. „Die Hauptamtlichen müssen bei der Verteilung von Aufgaben an Ehrenamtliche sensibel sein. Wertschätzung ist wichtig, und es muss die richtige Dosis gefunden werden“, sagt Fichtner. Es bestehe die Gefahr, dass Ehrenamtliche sonst überlastet werden und schlimmstenfalls die Freude an ihrem Engagement verlieren. Dialog sei wichtiger denn je. In Angelegenheiten der Gemeindeentwicklung haben die Mitglieder des Pfarrgemeinderats während der vergangenen vier Jahre konkrete Beschlüsse gefasst: Auch dass die Pfarrei, zu der im Juli 2017 Sankt Konrad und Sankt Marien fusionierten, den Namen „Bernhard Lichtenberg Hof “ tragen soll, geht auf einen Beschluss des Gremiums zurück. Bisher ziehen die Mitglieder des gemeinsamen Pfarrgemeinderats eine positive Bilanz: „Wir waren nicht immer einer Meinung, hatten aber stets das Wohl der Pfarrgemeinde im Auge. Ohne die Begleitung des Rats hätte der Prozess der Fusion zu einer Pfarrei nicht so reibungslos ablaufen können“, sagt der Vorsitzende Markus Reinisch und dankt dem Leitenden Pfarrer Hans-Jürgen Wiedow und seinem pastoralen Team für Gespräche auf Augenhöhe.

Pfarrer Wiedow findet gleichfalls lobende Worte für die Mitarbeit aus der Gemeinde. „Es gab bei vielen Menschen eine große Offenheit für diesen Prozess. Natürlich bedeutet Veränderung immer, sich zu bewegen – das fällt nicht jedem leicht. Allen wurde auf diesem Weg des Zusammenwachsens aber deutlich, dass dies der zukunftsweisende Weg ist.“ Ein loser Zusammenschluss durch die Gründung eines Seelsorgebereiches wäre auf Dauer keine sichere Option gewesen, meint Wiedow. „Wir wollten Planungssicherheit und eine Struktur, auf die man sich verlassen kann. Zum Schluss hin konnte es keiner mehr erwarten, endlich eine Pfarrei zu sein.“

Von Hendrik Steffens

Wie der Pfarrer der Gemeinde, Hans-Jürgen Wiedow den Strukturprozess bewertet, lesen Sie hier

Alle Informationen zum Entwicklungsprozess gibt es unter: www.erzbistum-mitgestalten.de