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Jung, Norbert: Zu Kunst und Religion

Norbert Jung
Das Jahr 2018 steht im Erzbistum Bamberg unter dem Motto Kultur. Zu diesem Anlass haben wir mit Domkapitular Norbert Jung, dem Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbistum Bamberg, gesprochen über Berührungspunkte von Kultur und Kirche.
Datum:
Veröffentlicht: 1.6.18
Von:
Redaktion Leben

Was wäre Kultur ohne Kirche?

Kultur und Religion hängen eng zusammen – das zeigt schon der sachliche Zusammenhang der beiden Worte „Kultur“ und „Kult“. Wenn wir 2018 das „Europäische Jahr des Kulturerbes“ begehen, ist das nur möglich, wenn man anerkennt, dass das Christentum als wesentliche Grundlage der europäischen Kultur bis heute als konstitutiv für die Identität des Kontinents zu gelten hat. Auf den Punkt gebracht, ist die Bibel für Europa das wichtigste Kulturerbe. Analoges gilt für Bamberg, dessen Altstadt heuer den 25. Jahrestag der Erhebung zum Weltkulturerbe feiert: Ohne die Bistumsgründung durch Heinrich II. und ohne den Dom wäre der Ort heute vielleicht nicht einmal eine Kreisstadt.

Umgekehrt, welchen Zweck erfüllt Kunst für die Kirche? 

Die Kirche will auch in der Kultur der Gegenwart präsent sein, um ihre Botschaft auf zeitgemäße Weise ausdrücken zu können. Insofern „braucht die Kirche die Kunst“, wie Johannes Paul II. einmal gesagt hat, ohne sie aber nur gebrauchen zu wollen, denn die Kunst hat durchaus auch die Funktion eines Korrektivs eingefahrener Gleise, auch in der Kirche selbst. Kunst und Religion wollen beide die großen Fragen der Menschheit offenhalten, etwa die nach Sinn und Unsinn oder Glück und Leid, und dabei der Diktatur des Ökonomischen entgegenwirken.

Welche Rolle nimmt die Kirche im kulturellen Leben unserer Gesellschaft ein? 

Das Erzbistum Bamberg nimmt wie die katholische Kirche überhaupt seine Verantwortung für den Erhalt, die Pflege und die Präsentation unseres kulturellen Erbes auf hohem Qualitätsniveau wahr. Viel zu wenig ist bekannt, dass die katholische Kirche in Deutschland jedes Jahr über vier Milliarden Euro für kulturelle Zwecke investiert. Das Spektrum reicht dabei von der Kirchenmusik über das Büchereiwesen sowie den Bereich der Architektur und der Denkmalpflege bis hin zur bildenden Kunst. Die Kirche ist damit bis heute nach dem Staat der wichtigste kulturelle „Player“ im deutschen Sprachraum. Dabei ist vor allem auf die vielen Ehrenamtlichen hinzuweisen, die sich im kirchlichen Bereich einbringen und kostengünstig Aufgaben übernehmen, die der Staat allein gar nicht leisten könnte – das geht von der musikalischen Früherziehung über die Leseförderung bis hin zur Archivpflege.