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Gemeinsam Kirche sein:Miteinander wirken

Strukturen verändern sich permanent. Das ist so in der Kirche wie in der Gesellschaft generell. Sportclubs, Chöre und andere Vereine finden wenig Nachwuchs und vor allem keinen, der Verantwortung übernimmt. Ehrenamtliches Engagement, so scheint es,ist derzeit wenig angesagt. Wenn man allerdings genauer hinsieht, dann findet man vor allem im kirchlichen Kontext ganz viel Ehrenamt. Rund 30.000 Menschen sind in der Erzdiözese Bamberg ehrenamtlich tätig: vom Fußballtrainer für Menschen mit Behinderung bis zur Lese-Omi, vom Jugendleiter bis zur Wort-Gottes-Beauftragten. Sechs aktive Helferinnen und Helfer erklären, warum Ehrenamt keine Einbahnstraße ist.
Datum:
Veröffentlicht: 1.6.17
Von:
Hendrik Steffens

Maria Götz - 59, Weigelshofen

"Vor kurzem hat mir jemand gesagt: ,Die Kirche müsste …‘ Da habe ich gefragt: ,Wer ist denn Kirche?‘ Jeder Katholik, jeder Christ darf und soll doch an Kirche mitwirken. In der momentanen Situation können wir, die nicht Priester oder Hauptamtliche sind, die Kirche so sehr prägen wie noch nie. Das ist eine wunderbare Chance. Es stimmt, dass immer weniger Menschen für Jahre fest gebunden sein wollen in Kirchenverwaltung oder Pfarrgemeinderat. Aber wenn ich direkt auf die Menschen zugehe und frage, ob sie bei Projekten mitmachen wollen, sind sehr viele dazu bereit und haben Freude daran. Man muss das Schöne an dem miteinander Wirken selbst rüber bringen. Mein Steckenpferd ist die Ministrantenarbeit. Zu sehen, was Gemeinschaft und Glaube Kindern geben kann, erfüllt mich. Und in der Einstellung der Kinder zur Kirche liegt die Zukunft der Kirche."

Patrik Ehrenberger - 28, Hersbruck

"Dieses Wochenende leite ich auf Burg Feuerstein den Kurs ,Senegal und Freunde‘, bei dem sich Jugendliche aus Deutschland und dem Senegal, aber auch junge Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Eritrea treffen und ihre Visionen für eine bessere Welt austauschen. Die internationale Arbeit mit Jugendlichen aus unserem Partnerbistum Thiès und aus anderen Teilen der Welt ist bereichernd. Ich lerne hautnah neue Perspektiven kennen zu Dingen, die ich sonst nur übers Fernsehen mitbekomme. Immer wieder motiviert mich die Dankbarkeit, die ich von vielen für mein ehrenamtliches Engagement bekomme. Ich arbeite als Bankkaufmann und bin ehrenamtlich aktiv beim BDKJ insbesondere auf Burg Feuerstein. Sei es bei der Vorbereitung und Durchführung von Gottesdiensten oder Kursen und Begegnungswochenenden für Jugendliche oder als Beauftragter für Wort-Gottes-Feiern. Meinen Glauben an den guten Gott, der mein Leben trägt, will ich auch für andere (junge) Menschen erfahrbar machen."

Verena Hack - 24, Hirschaid

Mein Engagement bei der J-GCL Bamberg (Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens) hat begonnen, als ich in Bamberg an der Maria-Ward-Schule auf das Gymnasium ging. Teil der Gemeinschaft zu sein, hat mir viel Halt gegeben. Außerdem habe ich vieles gelernt, vor allem Aktionen zu organisieren und zu leiten oder mich und unsere Arbeit zu präsentieren. Meine letzte Herausforderung war es, die Renovierung unseres neuen J-GCL-Hauses in Bamberg mit zu planen und umzusetzen. Jede neue Aufgabe hat mich weiter wachsen lassen. Als erwachsene Mitarbeiterin konnte ich all das Wissen, das ich gesammelt habe, dann weitergeben. Es ist ein so schönes Gefühl zu sehen, wie jetzt, wo ich rausgewachsen bin, alles weitergeht. Teil eines größeren Ganzen zu sein. Auch hat mich das Ehrenamt, die Arbeit mit den Teamkolleginnen und den Schülerinnen für meinen heutigen Beruf als Bildungsreferentin geprägt.“

Marco Pachl - 46, Auerbach

Ich trainiere seit vier Jahren bei Regens Wagner in Michelfeld eine Fußballtruppe, bei der geistig und körperlich behinderte Menschen mitmachen. Wir wollen Fußball spielen, Spaß haben und unsere individuellen Fähigkeiten einsetzen; keiner bleibt nur an der Seitenlinie. Dabei wachsen wir alle.

Bei dieser Tätigkeit bekomme ich so viele positive Emotionen zurück – da ist ein Lächeln programmiert. Wenn wir mal gegen Jugendmannschaften aus der Region spielen, dann merke ich auch, dass die ,Regulären‘ da emotional etwas mitnehmen und das genießen. Das Ergebnis ist zweitrangig, unsere Vorfreude und die Spielfreude aber sind wahnsinnig groß. Meine Truppe fiebert jetzt schon dem nächsten Spiel entgegen. Ich kann jedem nur raten, sich sein Fleckchen zu suchen, in dem er oder sie sich engagieren kann. Die Möglichkeiten sind ja unendlich, und die Dankbarkeit und Freude der Menschen tut so gut.“

Monika Dowidat - 69, Nürnberg

Nach zwei Jahren war ich des reinen Rentnerlebens überdrüssig und habe mich gefragt: Wo kannst du dich engagieren? Da ich Kinder liebe – ich habe drei Kinder, fünf Enkel und drei Urenkel – lag es nahe, in dieser Richtung etwas zu unternehmen. Ich war vorher ehrenamtliche Richterin als Schöffe am Jugendgericht und habe acht Jahre Hausaufgabenbetreuung an der Wiesenschule in Nürnberg gemacht.

Über den Pfarrgemeinderat kam es, dass ich Lese-Omi für den Kindergarten St. Lioba wurde. Ich finde, gerade im Smartphone-Zeitalter ist Vorlesen wichtig, um die Fantasie der Kinder anzuregen. Ich lese gern die alten Märchen vor. Die Fragen, die die Kinder dann stellen und wenn wir vom Hundertsten ins Tausendste kommen, das hält mich regelrecht jünger. Nach zwei Jahren weiß ich: Die Kinder mögen mich, ich mag die Kinder. Es ist so schön zu sehen, wie sie sich freuen, wenn ich in die Kindergartengruppe komme. Das ist pure Freude!“

Alfons Galster - 69, Kirchehrenbach

Ehrenamt soll Freude machen, dann ist es kein Stress: Wenn man mit anderen etwas in Bewegung setzen kann und gemeinsam Lösungen findet. In meinem Fall ist das breit gestreut. Ich bin Zweiter Vorsitzender des Caritasverbands Forchheim und engagiere mich in der Flüchtlings- und Asylarbeit, im Energiebeirat der Diözese, in Sachausschüssen des Diözesanrats und in weiteren Projekten.

Es steckt mich an, mitzutun, wenn ich die vielen Menschen in unserer Diözese sehe, die sich in den verschiedenen Bereichen einbringen und die so kreativ mit Freude dabei sind. Ganz wichtig, um das Engagement zu erhalten, ist Wertschätzung. Es ist schön, wenn Ehrenamt mit Anerkennung belohnt wird. Man sieht es immer, wie viel Freude es den aktiven Menschen bringt, wenn sie von der Stiftung für das Ehrenamt ausgezeichnet werden. Aber Anerkennung ist auch im direkten, persönlichen Miteinander der Treibstoff des Ehrenamts.“

Domkapitular Wünsche: "Die Ehrenamtlichen sind kirchliches Leben"

„Die vielen Ehrenamtlichen in unserem Erzbistum bereichern nicht bloß das kirchliche Leben, sie sind zu einem großen Teil das kirchliche Leben“, sagt Domkapitular Peter Wünsche, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge und geistlicher Beauftragter des Diözesanrats. Das Gremium unterstützt Ehrenamt in jeder Form im Erzbistum Bamberg durch Handreichungen, Fortbildungen oder persönliche Wertschätzung im Miteinander.

Für Peter Wünsche geht es um ein neues Denken: „Vom Volk Gottes her, in dem es vielfältige Aufgaben gibt, die ehrenamtlich mit oder ohne offizielle Beauftragung bearbeitet werden und manchmal auch eine professionelle Ausbildung oder eine sakramentale Weihe brauchen – das ist dann das Feld der Hauptamtlichen.“ Das Leben der Kirche bestehe aus den vielen Formen des freiwilligen öffentlichen und privaten Einsatzes. Aufgabe der Hauptamtlichen sei es, die vielfältigen Lebensformen zu unterstützen, zu fördern und zusammenzuhalten.

Zur Würdigung gibt es seit dem Jahr 2000 in der Erzdiözese Bamberg die Stiftung für das Ehrenamt, initiiert durch den ehemaligen Erzbischof Karl Braun und weitergeführt durch dessen Nachfolger Ludwig Schick. Einmal im Jahr, im Juli, wird der Preis für das Ehrenamt vergeben. Pfarreien, Seelsorgebereiche und kirchliche Organisationen können bei der Stiftung Gruppen für die Ehrung mit einer kurzen Begründung und einer Skizzierung von deren Aktivitäten für das Gemeinwohl einreichen.

Von Hendrik Steffens

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