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Jubiläum: 25 Jahre:Musikalisches Wir

Wie Glaube klingen sollte, darüber wird es so viele Ansichten wie Gläubige geben. Das Repertoire der Kirchenmusik reicht von Chorälen und Orgelmusik zu Gitarrenpop und Bossa Nova. Die beiden letztgenannten klingen im Erzbistum Bamberg seit 25 Jahren häufiger. So lange gibt es die Werkstatt Neues Geistliches Lied (NGL).
Datum:
Veröffentlicht: 1.6.17
Von:
Hendrik Steffens

Pfarramt St. Johannes Bosco in Forchheim. Aus dem Kellerfenster tönt es geistlich-poppig: „Wir sind mit Dir, Gott, mehr“, noch nicht ganz im Takt. In einem Proberaum mit bunt bemalten Wänden greift Michael Rössler nach seiner Gitarre, um Tipps zu geben: Zeigt der Gitarristin, die ihm gegenübersitzt, wie ein Barrériff funktioniert und gibt der Schlagzeugerin pantomimisch den Takt vor. Beim nächsten Durchgang klingt der Song schon runder. Rössler nickt zufrieden im Takt mit.

Der 22-Jährige ist Teil der Werkstatt NGL in Bamberg. Er bringt Musikern jeder Couleur bei, als Band zu spielen, unter anderem bei Dekanatsworkshops wie diesem. Ehrenamtlich, aber nicht ganz uneigennützig: „Der größte Lohn dabei, Workshops zu geben, ist, zu sehen, wie eine Gruppe unterschiedlicher Leute zusammenwächst und ein Lied sich entwickelt.“ Man wisse nie genau, was für Instrumente die Teilnehmer spielen und wie gut sie das überhaupt können. Jeder, der Lust hat, darf mitmachen. Nicht nur mit Klavier, Schlagzeug und Gitarre, sondern auch Akkordeon, Harfe oder Blockflöte. Das führt zu einem besonderen Klang und dem „Werkstatt-Charakter“, den das NGL auszeichnet. Während Michael Rössler mit der Forchheimer Band aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Lieder für den Abendgottesdienst probt, wird er unweigerlich an seine musikalischen Anfänge erinnert.

Ich stehe morgens auf und habe einen Takt oder eine Melodie im Kopf."

Sein Leben sei immer um Musik gekreist, sagt Rössler, der in Adelsdorf in der Nähe von Forchheim aufgewachsen ist. „Ich stehe morgens auf und habe einen Takt oder eine Melodie im Kopf.“ Schon als Kind habe er auf Töpfen Schlagzeug gespielt und sei lieber dort in den Gottesdienst gegangen, „wo ich wusste, da spielt jemand Gitarre oder gar eine Band“. Die Eltern ermöglichten ihm Gitarrenunterricht, und bald danach besuchte er seinen ersten NGL-Wochenendkurs auf Burg Feuerstein. Das erste Mal in einer Kinderband spielen, später mit den Älteren und dann als Kursleiter. „Die ganzen Erfahrungen, die ich in den NGL-Bands gemacht habe, haben mein Leben geprägt“, sagt er. So weit, dass der 22-Jährige heute Musik auf Realschullehramt studiert.

Aber wieso NGL und nicht einfach eine Popband? Da sei zum einen die tiefere Gemeinschaft, sagt Rössler. Der gemeinsame christliche Hintergrund schweiße zusammen. Zum anderen habe man viel kreativen Freiraum. „Die Lieder in den Büchern bestehen aus der Melodiezeile und den Akkorden. Ob er das als Bossa Nova oder Ballade spielt, bleibt dem Musiker überlassen.“ Für die Entwicklung in unterschiedlichen Stilrichtungen sei das Gold wert: „Man ist nie nur eine Coverband.“

Dass NGL sich über Genregrenzen hinwegsetzt, zeigt sich beim Dekanatsworkshop in Erlangen. Kinderband-Leiterin Ruth Weisel probt mit ihren Schützlingen Schauspiel, „Der Barmherzige Samariter“. Den Kindern will sie damit den Sinn von Barmherzigkeit und das Gefühl vom Verletzt-Werden näher bringen. In kindgerechter Sprache und mit leichten Melodien, mit Instrumenten, Gesang und Schauspiel tauchen die Kinder in die Geschichte ein. „Bibelverse in den modernen Kontext versetzen. Sie verstehbar und erlebbar machen, das ist für mich NGL“, sagt Ruth Weisel. Dass es bei den Kindern ankommt, zeigt Johannes‘ (11) Eindruck nach den Proben: „Ich habe gemerkt, dass das Stück auch in Wirklichkeit so passieren könnte.“ Als Barmherziger Samariter rettet er seine kleine Schwester Greta (7), die die Überfallene spielt. Da Johannes an dem Tag auch noch sein Gitarrenspiel verbessern konnte, hat ihn das NGL-Konzept doppelt wachsen lassen.

Dass man zusammen etwas entwickelt, probt und das zusammen genießt."

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Leiterin Ruth Weisel hat als Kind ähnliche Workshops besucht. „Ich habe immer schon Musik gemacht, und meine Eltern dachten: Das müssen wir fördern.“ Sie meldeten die Tochter zuerst bei der Musikschule und im Schulorchester an. Weisels Glück war, nahe Ebermannstadt im Kreis Forchheim aufzuwachsen. Mit dem Jugendhaus Burg Feuerstein lag das Zentrum für Neues Geistliches Lied und Jugendarbeit im Erzbistum quasi vor der Haustür. Da sammelte sie Erfahrungen mit Bands. „Das war ein Gegenpol zur Musikschule mit ihren Vorgaben und Etüden. Beim NGL spielten wir Akkorde, frei und rhythmisch.“

Heute ist Ruth Weisel NGL-Referentin beim Bistum Würzburg, Musikpädagogin, führt Regie bei Kindertheater oder macht interaktive Kinderkonzerte. Was sie an NGL schätzt, ist wie bei ihrem Kollegen Michael Rössler die Gemeinschaft. „Dass man zusammen etwas entwickelt, probt und das zusammen genießt.“ Zum anderen die Lebensnähe in Melodie, Sprache und Konzeption: „Im NGL können wir Fragen stellen über und an unseren Glauben, weil nichts einfach festgelegt ist.“ Das solle und könne in der Kirchenmusik nicht Gregorianische Choräle und Orgelmessen ersetzen, sondern je nach Anlass ergänzen und bereichern. „Vielfalt macht für mich Kirche aus“, sagt Ruth Weisel.

Bibelverse in den modernen Kontext versetzen. Sie verstehbar und erlebbar machen, das ist für mich NGL."

Was die beiden langjährigen NGLer schätzen, soll im Jubiläumsjahr zu 25 Jahren NGL im Erzbistum Bamberg für alle erlebbar werden. Ein großes Team von Referentinnen und Referenten bringt sich bei Workshops, Gottesdiensten und Konzerten ein. Die Fülle und Güte der Talente, die die Musikerinnen und Musiker ins Team einbringen, ist für NGL-Diözesanreferent Tobias Lübbers enorm und ein „großes Geschenk, ein Gottesgeschenk, ganz konkret für uns als menschliche, musikalische, religiöse Gemeinschaft und für uns als Kirche von Bamberg.“

Der Kooperationsgedanke wird nach den Worten von Tobias Lübbers auch im Mottolied für das Jubiläum, „Wir sind mit dir, Gott, mehr“ deutlich, das bei Workshop-Wochenenden entstanden ist. Lübbers: „Das Lied atmet den Geist der Kooperation, denn es ist durch ein großes Team entstanden.“

Die große Gemeinschaft von Sängerinnen und Sängern und von Bands gleichermaßen ist nun eingeladen zu einem der Höhepunkte des Jubiläumsjahres, nämlich zum großen NGL-Diözesantag, der unter dem Motto „Bamberg singt“ am Samstag, 20. Mai, in der Domstadt stattfindet. Es wird Chor-Workshops geben, eine Vesper mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick im Dom und am Abend ein exklusives Konzert für alle Teilnehmenden des NGL-Diözesantages mit der A-capella-Band „Viva Voce“.

Das Lied atmet den Geist der Kooperation, denn es ist durch ein großes Team entstanden.“