Salesianerpater Rudolf Lunkenbein:Ein Hoffnungsträger aus Oberfranken

1939 im fränkischen Döringstadt geboren, äußerte Lunkenbein schon als kleiner Junge den Wunsch, Priester zu werden. Nachdem er sich der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos angeschlossen hatte, führte ihn sein Noviziat bereits im Alter von 19 Jahren nach Brasilien in die Nähe von São Paulo und an seine spätere Wirkungsstätte, die Missionsstation von Merúri im Bundesstaat Mato Grosso.
Nach einigen Jahren in Deutschland, in denen er sein Theologiestudium beendete und zum Priester geweiht wurde, kehrte er 1970 nach Merúri zurück, um sich dort voll und ganz dem Schutz der indigenen Bororo zu widmen. Diese waren konfrontiert mit Landraub und der Einschränkung ihrer Lebensrechte. Lunkenbein lernte ihre Sprache und wurde in den Stamm aufgenommen. Er brachte den Bororo neue Hoffnung – durch den katholischen Glauben, in dessen Liturgie er traditionelle Elemente der Kultur vor Ort aufnahm, aber auch durch ganz praktische Maßnahmen. Dazu gehörte unter anderem die Initiierung einer Landvermessung, die verhindern sollte, dass weiße Großsiedler das Siedlungsgebiet der Bororo nach und nach annektierten und ihnen dadurch die Lebensgrundlage nahmen.
Bereits im Mai 1976 zeichnete sich Gefahr ab. In einem Brief an seine Eltern warnte Lunkenbein, dass die Lage eskalieren könnte: „In diesen Tagen kann es dann sein, dass es zu Schüssen kommt, einige haben schon gedroht.“ Nur wenig später bestätigte sich seine Vorahnung. Am 15. Juli 1976 fuhren rund 60 Großgrundbesitzer nach Merúri, um gegen die Landvermessungen zu protestieren. In einem Gemenge wurden Pater Lunkenbein sowie der indigene Simão Bororo erschossen. Lunkenbein ist wegen seines unermüdlichen Einsatzes für die Rechte der Indigenen zum Märtyrer geworden.
Vier Jahrzehnte nach seiner Ermordung wurde 2016 ein Seligsprechungsverfahren für Pater Lunkenbein eingeleitet. Auf Initiative des damaligen Bischofs von Barra do Garças, Protógenes José Luft, wird seitdem systematisch untersucht, wie der gebürtige Oberfranke sein Leben geführt hat, welchen Ruf er unter den Gläubigen genießt und ob sich auf seine Fürsprache Wunder zurückführen lassen. Auch für Simão Bororo läuft ein Seligsprechungsverfahren. Nachdem die theologischen Berater des Dikasteriums im Vatikan die beiden Fälle positiv beurteilt haben, gelten die Verfahren mittlerweile als äußerst aussichtsreich.




