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Kirche erleben statt nur erklären

Abschlussführung von Claudia und Gerd Arnold durch St. Otto in Lauf a. d. Pegnitz
Mit einer Führung durch St. Otto in Lauf a. d. Pegnitz endet für Claudia und Gerd Arnold die Ausbildung zur Kirchenführerin bzw. zum Kirchenführer. Begonnen haben sie diese Anfang 2025 und seitdem rund 120 Unterrichtsstunden belegt. Mit dem erfolgreichen Absolvieren sind sie offiziell befähigt, Führungen in verschiedenen Kirchen anzubieten.
Datum:
Veröffentlicht: 21.9.26
Von:
Christian Ganser / Leben im Erzbistum Bamberg

Mehrere Personen, jede mit einer brennenden Kerze in der Hand, gehen langsam im Kirchenraum umher. Sie lassen sich Zeit, entdecken, wo in der Kirche sie sich besonders wohlfühlen, und suchen sich schließlich einen Platz aus. Dort bleiben sie dann für eine kurze Zeit sitzen, bevor eine Klangschale ertönt und alle sich vor dem Altar sammeln.

Das Ganze ist Teil einer Kirchenführung. Und zwar einer, bei der die Gruppe nicht nur von Statue zu Statue geht, sich die Bauweise der Säulen erklären lässt oder sich mit vielen Jahreszahlen die Baugeschichte vor Augen führt. Das alles kommt hier zwar auch vor, aber eben nicht ausschließlich. „Man lernt so viele Bausteine, die man dann in eine Führung einbauen kann. Und ohne die Ausbildung hat man diese Bausteine nicht“, sagt Gerd Arnold. Zusammen mit seiner Frau Claudia leitet er die Kirchenführung in St. Otto in Lauf a. d. Pegnitz. Sie ist für die beiden der Abschluss ihrer fast eineinhalbjährigen Ausbildung zur Kirchenführerin bzw. zum Kirchenführer, die im Erzbistum Bamberg alle zwei Jahre angeboten wird.

Schon 1995 wurde im Erzbistum ein solcher Kurs entworfen und geplant, der ein Jahr später zum ersten Mal startete. Die damals 24 Teilnehmenden lernten an vier Samstagen kunsthistorische, theologische und bistumsgeschichtliche Grundlagen. Auch pädagogisches Rüstzeug für Führungen wurde ihnen an die Hand gegeben.

Christian Kainzbauer-Wütig, der seit 2012 für die Erwachsenenbildungsarbeit im Erzbistum Bamberg verantwortlich ist, erklärt die Relevanz der Ausbildung: „Schon seit vielen Jahren besuchen deutlich mehr Menschen unsere Kirchen aus touristischen oder kunstgeschichtlichen Motiven als zu Andacht und Gebet.“ Architektur, Statuen und Ausstattungsgegenstände von Kirchen seien jedoch nicht nur aus künstlerischer Sicht bemerkenswert. Durch sie haben Menschen teils über Jahrhunderte ganz konkret ihrem Glauben Ausdruck gegeben. Heutigen Besucherinnen und Besuchern von Kirchen, die nicht christlich sozialisiert sind, sage das jedoch häufig nichts mehr. „Es bedarf einer Vermittlung“, so Kainzbauer-Wütig. Claudia Alraum, die die Ausbildung mitorganisiert, ergänzt: „Der kultur- und kunsthistorische Charakter der Kirchen soll weitergegeben werden, aber auch das, was die Kirchen noch sind, nämlich ein durchbeteter Raum, ein ganz besonderer Ort, der eben nicht nur ein Museum ist.“

Christian Kainzbauer-Wütig

„Schon seit vielen Jahren besuchen deutlich mehr Menschen unsere Kirchen aus touristischen oder kunstgeschichtlichen Motiven als zu Andacht und Gebet. Es bedarf einer Vermittlung.“

Christian Kainzbauer-Wütig, Leiter der Hauptabteilung Außerschulische Bildung im Erzbistum Bamberg

Diese Vermittlung bieten Claudia und Gerd Arnold, indem sie die Teilnehmenden zu Beginn der Führung auffordern, ihren spontanen Lieblingsort in der fast 125 Jahre alten Pfarrkirche zu suchen. Dadurch, dass diese Plätze später der ganzen Gruppe vorgestellt und mit ihr besprochen werden, erfahren alle etwas über besondere Orte und Gegenstände. An diese erste Erkundung des Gebäudes schließt eine Erklärung seiner Baugeschichte und der deutlichen Umgestaltung seines Innenraums im Laufe der Zeit an, bevor mit einem Bilderpuzzle wieder ein aktiverer Teil folgt.

Damit setzt das Ehepaar Arnold genau das um, was in der von Christian Kainzbauer-Wütig erweiterten Ausbildung vermittelt wird. Auf den nach wie vor bestehenden Grundkurs mit den Themen Theologie, Kunst- sowie Bistumsgeschichte setzen ein Aufbau- und ein Intensivkurs auf. In ihnen werden unter anderem Didaktik und Methodik einer Kirchenführung und Informationen zu rechtlichen Fragestellungen behandelt. So werden schließlich die 120 Unterrichtsstunden erreicht, die der Bundesverband Kirchenpädagogik e. V. vorschreibt. Nach dessen Richtlinien ist die Ausbildung im Erzbistum Bamberg gestaltet. Claudia Arnold findet, dass das „eine tolle Sache“ ist: „Man hat ganz exzellente Referentinnen und Referenten, die alle ganz unterschiedlich sind.“

Gerd Arnold

„Man lernt so viele Bausteine, die man dann in eine Führung einbauen kann. Und ohne die Ausbildung hat man diese Bausteine nicht.“

Gerd Arnold

Die Abschlussführung von Claudia und Gerd Arnold kommt am Taufbecken in St. Otto zu einem Ende. Hier ist Zeit, sich die verschiedenen Teile der Führung und das Gesehene und Gehörte noch einmal in Erinnerung zu rufen. Zum Schluss wird ein Segen gespendet, bevor die Teilnehmenden auseinandergehen.

Für das Ehepaar Arnold ist der letzte Schritt in ihrer Ausbildung damit gemacht. „Ich bin schon froh, dass es jetzt rum ist und dass es so gut gelaufen ist“, sagt Claudia Arnold. Anspannung sei im Voraus da gewesen, aber die vielen positiven Rückmeldungen nach der Führung freuten sie. Eine Teilnehmerin, die selbst aktives Gemeindemitglied ist, sich aber vorher noch nie mit der Kirche als Bauwerk auseinandergesetzt hat, erklärt, was sie an der Führung fasziniert hat: „Den Werdegang von der ursprünglichen bis zur heutigen Kirche zu sehen und auch erklärt zu bekommen, warum mich St. Otto eigentlich so anspricht, also was da das Besondere ist, das fand ich sehr interessant.“

Claudia und Gerd Arnold werden in den kommenden Wochen noch einige Kirchenführungen von anderen Auszubildenden besuchen. Und schließlich wartet auf die beiden und die 16 anderen Personen, die an der aktuellen Ausbildung teilnehmen, Ende September die offizielle Zertifikatsübergabe mit Generalvikar Georg Kestel im Bamberger Dom. Dann wird sogar eine Person aus dem Raum Aachen dabei sein – ein Zeichen für den auch überregional guten Ruf der Ausbildung.

Ausbildung

Die etwa eineinhalb Jahre dauernde Ausbildung beginnt alle zwei Jahre. Es ist jedoch auch möglich, die erforderlichen Kurse innerhalb von zwei Ausbildungszyklen zu belegen. Der nächste Start ist Anfang 2027. Interessenten können sich schon jetzt unter erwachsenenbildung@erzbistum-bamberg.de melden.